Buchbesprechung

Petra Sutor : Trauer am Arbeitsplatz

Photo by pexels/pixabay

von Tom Schröpfer

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Mit Petra Sutors Trauer am Arbeitsplatz, veröffentlicht in diesem Jahr im Patmos Verlag, erscheint ein Ratgeber auf dem Buchmarkt, dem ein bemerkenswerter Spagat gelingt. Zum einen ist es eine Handreichung für akute Krisensituationen am Arbeitsplatz und bietet in dieser Funktion konkrete Erklärungen zu Trauer und ihren Erscheinungsformen sowie Hilfestellungen im Umgang mit diesen Phänomenen. Zum anderen dient es der Prävention und Weiterbildung im Umgang mit Verlust und Abschiedsthemen, indem es mit Anregungen für die langfristige Etablierung bewusst gelebter Trauerkultur in Unternehmen aufwartet.

Für Entlastung sorgen ist Führungssache

Anders als andere Bücher in der mittlerweile weiten und reichhaltigen Literaturlandschaft rund um die Themen Abschied, Sterben, Tod und Trauer, richtet sich diese Veröffentlichung vor allem an die Leitungsebenen in Unternehmen. Führungskräfte, Personalverantwortliche, Betriebsräte – sie alle werden mit diesem Buch dazu aufgerufen den bewussten Umgang mit Trauer im Unternehmen als Wahrnehmung ihrer Fürsorgepflicht zu begreifen. Dieser zentrale Appell ist es auch, der die fundierte Expertise der Autorin erkennen lässt. Hier schreibt eine Frau, die über viele Jahre Erfahrungen und Fachkenntnisse sowohl in der Trauerbegleitung, als auch in der Unternehmenswelt sowie als ganzheitlich-systemischer Coach gesammelt hat.

Mit vielen Vorschlägen beschreibt die Autorin, wie in schwierigen Situationen souverän gehandelt oder wie durch eine grundlegend zugewandte Haltung vielsagend geschwiegen werden kann. Es wird offen gelegt, in welchen Fällen gegebenenfalls besondere Maßnahmen notwendig werden, beispielsweise wenn Trauer durch einen Suizid, plötzlichen Unfalltod, oder durch das Versterben eines Kindes ausgelöst wird. Und auch die Diversität der Personalstruktur in Unternehmen wird in den Blick genommen, wenn die Autorin auf kultursensiblen Umgang mit Trauer hinweist. Der angebotene Überblick zum Umgang mit Tod und Trauer in den großen Religionen ist hier ebenso hilfreich, wie die Einführung in die Deutungsvielfalt ein und der selben Handlung, die je nach Kontext und Ort als sehr angebracht oder sogar als verletzend verstanden werden kann.

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Petra Sutor
Sprachlosigkeit überwinden – Fürsorgepflicht wahrnehmen – Trauerkultur entwickeln

Trauer als Aufgabe begreifen

Durch das gesamte Buch zieht sich das konsequente Plädoyer für einen gezielt in die Unternehmensstruktur integrierten Umgang mit Verlust und Trauerthemen. Wie die Autorin richtig erkennt, ist Trauer keine reine Privatsache, sondern ein Phänomen, das eine Person in ihrer Gänze und damit auch in ihren sozioalen Bezügen und Beziehungen betrifft. Prozesse am Arbeitsplatz nehmen sich da nicht aus.

Mit dieser Tatsache im Bewusstsein erschließt sich, weshalb eine empathische Unternehmenskultur, die Trauer nicht ausklammert, für alle Beteiligten gewinnbringend ist.

Arbeitnehmer*innen erfahren in einer Ausnahmesituation, die sich unter Umständen als existentielle Lebenskrise zeigen kann, Wertschätzung. Zur Trauer kann gehören, dass jeder Strohhalm, der ein wenig emotionale Entlastung bedeutet, gern ergriffen wird. Sammeln sich solche Strohhalme am Arbeitsplatz, kann dies zu einer höhren Identifikation mit dem Unternehmen, langfristig sogar zur Stärkung von Teamgefügen und einer neuen Leistungsfähigkeit führen. Diese nachhaltige Mitarbeiterbindung beschreibt die Autorin als Chance in der Krise, die es Unternehmen ermöglicht langfristig stabile Entwicklungen zu gewährleisten.

Auf der Höhe der Zeit

In ihrem ausführlichen Leitfaden zur Erstellung eines Krisenplans für Trauersituationen am Arbeitsplatz wird deutlich, dass sich die Autorin in beiden Welten, den Unternehmen und der Trauerbegleitung, mit ihrem Wissen auf der Höhe der Zeit bewegt.

Dass sie Nachhaltigkeit auch bezogen auf Mitarbeitende denkt, und das Verständnis für andere Menschen in besonderen Situationen als Voraussetzung für gute Führungskräfte beschreibt, unterstreicht ihr Plädoyer für eine moderne, am Menschen orientierte Arbeitswelt.

Mit ihren Erklärungen zu Trauer als Prozess, der aktiv gestaltet werden kann und nicht nur passiv erlitten werden muss, trägt sie durch dieses Buch zur weiteren Entwicklung der Abschiedskultur bei.

Tom Schröpfer

In Einzel- und Gruppenbegleitungen, als Sterbegefährte oder mit dem Theater der Versammlung künstlerisch forschend, wirkt er an der Entwicklung der Themen Endlichkeit, Abschied und Trauerkultur mit.

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