Fundraising in der Hospiz- und Trauerarbeit. Ein Praxisbuch.

Buchvorstellung

Nick Fewings on Unsplash
Das in diesem Jahr bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienene Praxisbuch Fundraising in der Hospiz- und Trauerarbeit, bietet einen sehr niedrigschwelligen Zugang zum Verständnis von Ressourcengenerierung und -organisation. Dieser dicht geschriebene Leitfaden eignet sich für all jene, die sich neben der emotionalen Begleitung von Sterbenden, ihren Angehörigen und Trauernden, zusätzlich mit der bloßen Ermöglichung und der administrativen Umsetzung ihrer Arbeit beschäftigen wollen.
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Tom Schröpfer

Tom Schröpfer

Die Autorin und der Autor, Nicole Friederichsen und Stefan Springfeld, schöpfen hier aus den Vollen ihres jahrelang angesammelten Erfahrungsschatzes und Fachwissens. Die Intention des Buches ist dabei ab der ersten Seite klar: hier wird ein Begleiter zur Verfügung gestellt, der dabei unterstützt Hospiz- und Trauerarbeit dauerhaft zu gewährleisten, indem er bei der Aquise sowie der Koordination von Ressourcen durch Struktur, Basiswissen und viele praxisnahe Beispiele inspiriert.

Vandenhoeck & Ruprecht

Basiswerk

Zwar finden sich im gesamten Buch zahlreiche konkrete Ideen zur Umsetzung von Fundraising, dennoch lässt es sich grob in zwei Abschnitte teilen: die erste Hälfte vermittelt ein einheitliches Verständnis von Fundraising in der Hospiz- und Trauerarbeit, während im zweiten Teil die gezielte Nutzung verschiedener Kommunikationskanäle sowie die konkrete Planung und Durchführung unterschiedlichster Veranstaltungsformate im Vordergrund steht.

Die Erklärungen zu Grundbegriffen des Fundraisings in den ersten Kapiteln, sind bereits mit Möglichkeiten des Abgleichs für den eigenen Arbeitsalltag in Hospiz- und Palliativeinrichtungen versehen. Nachdem in aller Kürze und Übersichtlichkeit die zu aquirierenden Ressourcen nicht nur als Geld-, sondern auch als Sach- und Dienstleistungen definiert werden, folgt sogleich der Bezug dieser Ressourcen zu den wichtigsten Ressourcengebenden und deren potenzieller Spendenbereitschaft. Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen und öffentliche Institutionen verfügen über je andere Mittel und Interessen bezüglich ihrer Spendenfreudigkeit und bedürfen allein deshalb unterschiedlicher Arten der Ansprache und Kontaktpflege, was die Autorin und der Autor mit einigen passgenauen Beispielen ausführen. Die jeweiligen Faktenchecks am Ende dieser einzelnen Ausführungen sind besonders hilfreich. Sie ermöglichen den schnellen Abgleich des eigenen Wirkens mit den potenziellen Möglichkeiten, die das Buch vorschlägt.

Ethische Betrachtungen

Neben der Aquise und der Organisation von Ressourcen zählen die Autorin und der Autor vor allem den Aufbau und die Pflege langfristiger Beziehungen zum Kern des Fundraisings. Hierbei setzen sie besonders auf zielgruppenspezifische Kommunikation. So ist bei Privatpersonen eher auf den professionellen Umgang mit Anregungen und Kritik zu achten, weil häufig die (ggf. unausgesprochene) erwartete Gegenleistung zur Spende Mitwirkung und Anerkennung ist, während Unternehmen, vertretbarerweise, auf eine gute Platzierung ihrer Marke mit entsprechend öffentlichkeitswirksamen Effekten abzielen.

Das gestiegene öffentliche Interesse nach mehr Transparenz wird ebenfalls thematisiert und von den beiden Fachleuten mit Entwicklungen des digitalen Wandels verknüpft. So wird neben dem Für und Wider der Nutzung einzelner Social Media Plattformen beispielsweise gefragt: Welche Effekte bewirkt die Offenlegung von Spendeneinnahmen? Welche Vor- und Nachteile bieten Spendensiegel und Zertifikate für die eigene Organisation und welche haben tatsächlich Strahlkraft? Und welcher Grad an emotionalem Storytelling ist zu Werbezwecken vertretbar?

Praxisbuch

Die zweite Hälfte des Buches strotzt vor Praxisbeispielen. Allein die Nennungen der verschiedenen Veranstaltungsformate sowie die Beschreibungen, Planungen und Reflexionen vieler Beispielaktionen machen deutlich, welchen Spagat Haupt- und Eherenamtliche in der Hospiz- und Trauerarbeit dauerhaft vollbringen. Die permanente Bewegung zwischen Kreativität und Organisationstalent wird deutlich, wenn die vielen Beispielaktionen zu Kooperationsveranstaltungen, so genannten >>Wir für euch<<-Kampagnen, Barspenden, Gedenk- und Aktionstagen sowie Festen und Jubiläen beschrieben und zum Teil auch in verschiedenen Varianten durchgespielt werden.

Das Downloadmaterial zum Buch, zu finden auf der Internetseite des Verlags, unterstreicht noch einmal den Praxisanspruch der Autorin und des Autors. Neben einer Leseprobe, Bildern von Informationsständen sowie Plakaten zu beispielhaft vorgestellten Aktionen, finden sich dort auch Dokumentvorlagen für Spender*innenlisten oder Gebotszettel für stille Auktionen. Besonders hervorzuheben ist aber der Vorschlag eines Fundraising-Jahresplans, der eine Kostenkalkulation sowie die Organisation der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet.

Übersichtlich, dicht und umfangreich – und das auf gerade einmal knapp 120 Seiten. Ein motivierendes Werkzeug zum professionellen Aufbau und zur breiteren Aufstellung in der Hospiz- und Trauerarbeit.

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    Tom Schröpfer

    In Einzel- und Gruppenbegleitungen, als Sterbegefährte oder mit dem Theater der Versammlung künstlerisch forschend, wirkt er an der Entwicklung der Themen Endlichkeit, Abschied und Trauerkultur mit.